Fachbereich: Soziologie
Diplomarbeit: Freundschaft im Wandel der Geschlechterrollen


VIII. Schluss und Ausblick

Mein Ziel war es, in der Gesellschaft bestehende Geschlechterrollen und Geschlechterstereotype am Beispiel von Männer- und Frauenfreundschaften zu erklären, sowie einen Überblick über diese darzubieten.


Ausgangspunkt der Überlegungen war dabei das traditionelle Modell von Männer- und Frauenfreundschaften, das beinhaltet, dass nur Männer zu wahrer Freundschaft fähig sind. Dieser Aussage wollte ich auf den Grund gehen, während ich Männer- und Frauenfreundschaften in der heutigen wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Literatur untersuchte vor dem Hintergrund der Geschlechterrollen in der Gesellschaft. Das traditionelle Freundschaftsmodell existierte in einer Gesellschaft, in der Männer die öffentliche Meinung dominierten und die Geschlechterrollen hierarchisch aufgeteilt waren.

Viele Autoren sehen diese Abwertung der Frauenfreundschaft in der generellen niedrigen Bewertung der Frauen in einer patriarchalen Gesellschaft mit androzentrischen Denkstrukturen begründet (vgl. u. a. BELL 1981; TENBRUCK 1990; O´CONNOR 1992). Androzentrismus bedeutet die gesellschaftliche Fixierung auf den Mann oder das "Männliche" . Alles wird von einem "männlichen" Standpunkt aus wahrgenommen, so dass das "Männliche" normal ist und das "Weibliche" Zusatz, Ausnahme oder Sonderfall bedeutet.


In der Gesellschaftsordnung des Patriarchats, das durch die Vorherrschaft von Männern geprägt ist, sind androzentrische Denkstrukturen typisch. Im Patriarchat wird dem Prinzip des Männlichen große Bedeutung beigemessen, weil es für dessen Erhalt funktionell ist. Frauen wurden nicht nur was ihre Fähigkeit zu Freundschaft betrifft abgewertet, sondern es herrschte eine generelle Niedrigerstellung der Frau in der Gesellschaft. Durch die reproduktive Funktion der Frauen konnte sich eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung entwickeln und somit traditionelle Geschlechterrollen verhärten. Das bedeutet, dass Frauen für den häuslichen und Männer für den außerhäuslichen Bereich zuständig waren. Da aber nur im außerhäuslichen Bereich ein Mensch Anerkennung und Erfolg finden kann, wurde die Frau und ihr Lebensbereich abgewertet. Es konnten androzentrische Denkstrukturen entstehen, die besagten, dass der Mann das Universelle darstellt und die Frau nur eine Abweichung davon sei.
Sieht man das traditionelle Modell von Männer- und Frauenfreundschaften vor diesem Hintergrund, erscheint die Abwertung der Frauenfreundschaften als plausibel. Frauenfreundschaften wurden abgewertet in einer Gesellschaftsordnung, in der das "Männliche" als die universelle Norm gesehen wurde und Frauen weniger anerkannt waren und weniger Rechte hatten als Männer.


Durch die Untersuchung der Literatur nach dem heute vorherrschenden Freundschaftsmodell konnte ein interessantes Ergebnis aufgezeigt werden. Es hat sich eine Umkehrung des traditionellen Freundschaftsmodells vollzogen. Das Modell, das von Männer- und Frauenfreundschaften heute vorherrscht, beinhaltet nicht mehr die Abwertung der Frauenfreundschaften, sondern einen Pessimismus bezüglich Männerfreundschaften.


Der durch Industrialisierungs- und Modernisierungsentwicklungen bedingte soziale Wandel bewirkte nach und nach eine Neustrukturierung der Geschlechterverhältnisse, zumindest ein Umdenken. Frauen kämpften um ihre Rechte, bekamen Zugang zu Bildung, drangen in die Berufswelt vor. Ihr Lebenszentrum war nicht mehr zwingend nur die Familie und damit zusammenhängende Tätigkeiten. Die Rolle der Frau hat sich geändert und damit auch das Frauenbild in der Gesellschaft. Durch den Wandel der Geschlechterrollen und dem damit verbundenen Status, werden Frauenfreundschaften nicht mehr abgewertet und Männer nicht mehr als die universell gültige Norm gesehen. Die Ursachen für diesen Wandel sind in dem Abbau der patriarchalen Gesellschaftsstruktur zu suchen, die sich durch den sozialen Wandel und die Frauenbewegungen veränderte. Letztendlich kann vermerkt werden, dass Modelle von Männer- und Frauenfreundschaften Konstruktionen sind, die in der jeweiligen Gesellschaftsordnung entstanden sind. Es können sich durch in einer Gesellschaft bestehende Geschlechterrollen Klischeevorstellungen entwickeln, die zu Verallgemeinerungen der Geschlechter führen, aber nicht immer der Realität entsprechen müssen.


Über Männer- und Frauenfreundschaften heute kann man vermerken, dass sich Männer und Frauen geschlechtsspezifisch verhalten in ihren gleichgeschlechtlichen Freundschaften. Männer werden als instrumentell und aufgabenorientiert dargestellt. Sie unternehmen gerne etwas zusammen und in einem gemeinsamen Handlungsrahmen kann Intimität entstehen. Frauen werden hingegen als affektiv und sozial eingeschätzt. Bezeichnend für ihre Freundschaften sind gegenseitige emotionale Unterstützung, Gespräche und intime Interaktionen.


Enge Freundschaft wurde im Kapitel 1.2 definiert als eine auf Freiwilligkeit und Gegenseitigkeit beruhende persönliche Beziehung von unbegrenzter Dauer, die durch Austausch intimer Gedanken und Gefühle, und ein hohes Maß an Vertrauen gekennzeichnet ist. Ein Ergebnis des Vergleiches von Männer- und Frauenfreundschaften war, dass Frauen leichter Vertrauen hervorrufen, sich gegenseitig mehr unterstützen und sich schneller vor der Freundin öffnen als das zwischen Männern der Fall ist. Die Definition von enger Freundschaft trifft also eher auf Frauenfreundschaften zu als auf Männerfreundschaften. Die Ursachen dafür kann man in dem unterschiedlichen Zusammenhang zwischen Vertrauen und Intimität und Männer- und Frauenfreundschaften sehen.


Die männliche Geschlechterrolle beinhaltet verschiedene Barrieren, die dem Aufbau von Vertrauen und Intimität entgegenstehen. Die Erwartungen an eine Männerrolle entsprechen nicht unbedingt dem, was für eine enge Freundschaft förderlich wirkt. Männer sollen stark und erfolgreich sein. Gefühle zeigen passt nicht zu dem Männerbild, das in der Gesellschaft besteht. Durch den Erfolgsdruck spielt der Wettbewerb eine große Rolle. Männer können sich nicht so leicht öffnen, aus Angst verletzbar zu werden.


Die Homophobie spielt in unserer Gesellschaft ebenfalls eine große Rolle. Es scheint immer noch so große Untoleranz in der Gesellschaft gegenüber Homosexualität zu bestehen, dass Männer schon bei großer Intensität ihrer Männerfreundschaften, Angst davor haben als schwul zu gelten. Die weibliche Geschlechterrolle beinhaltet dagegen Eigenschaften, wie sozial, empathisch, gefühlvoll, sich öffnen können, die für enge Freundschaften sehr wichtig sind.


In den Freundschaften beschriebenes Verhalten wurde wahrscheinlich maßgeblich von dem geschlechtspezifischem Verhalten in Kinderfreundschaften beeinflusst. Da Kinder sich schon ab einem Alter von zwei bis drei Jahren zu gleichgeschlechtlichen Bezugspersonen hingezogen fühlen und sich mit ihnen identifizieren, kann es sein, dass Jungen nicht lernen, wie intime Beziehungen sind. Mädchen dagegen interagieren schon früh intimer und eher zu zweit oder in kleineren Gruppen. Das kann darauf beruhen, dass Mädchen eine engere Bindung zu der Mutter haben, und Jungen sich eher an ihrem Vater identifizieren. Dadurch entwickeln Jungen und Mädchen ein ganz verschiedenes Verständnis von Intimität.


In Kapitel 6.1 wurde erläutert, dass die Geschlechterrollen sich gewandelt haben und Frauen somit gesellschaftliche Anerkennung zukam und die Freundschaften der Frauen heute nicht mehr abgewertet werden. Dabei wurde aber die Rolle des Mannes außer acht gelassen. Die Geschlechterrolle des Mannes unterliegt auch dem Wandel. SEIDLER schreibt, dass Männer langsam lernen, Verantwortung für ihr Gefühlsleben zu übernehmen unter dem Einfluss des Feminismus.
"Perceptions may have changed under the influence of feminism, but men have been slow to learn about how to take more responsibility for their emotional lives." (Ders. 1992:18)
Im Zuge des Geschlechtsrollenwandels entwickelte sich die Krise des Mannes. Frauen hatten zum Beispiel den Wunsch an ihre Männer, dass sie mehr Nähe, Intimität und Tiefe zulassen. Männer müssen sich damit konfrontieren, dass die klassischen Orientierungen von Männlichkeit brüchig geworden sind, und sie gar nicht mehr genau wissen, was "Männlichkeit" konkret bedeutet.


Männer und Frauen müssen ihre Rollen neu definieren. Frauen haben mit der Frauenbewegung aktiv damit angefangen. Aber tut sich bei den Männern auch etwas?
Bei HAFNER ist sogar die Rede von einer Männerbewegung. Einer Männerbewegung, die das Patriarchat und den Männlichkeitskult mit allen seinen kulturellen und sozialen Folgen in Frage stellt.
"...träumt auch die Männerbewegung einen radikalen Traum, nämlich den von der Abschaffung der Männerherrschaft und der in ihr gültigen Bilder von "Männlichkeit." (Ders. 1985:100).
METZ-GÖCKEL & MÜLLER (1987: 154) versuchten zu erfahren, inwiefern die Männerrolle sich gewandelt hat und führen dazu eine Reihe von Fakten an. So ist z. B. neu, dass Männer sich nach der Scheidung das Sorgerecht mit der Mutter teilen wollen, oder dieses auch allein wahrnehmen. Das belegt die steigende Zahl alleinerziehender Väter. Sehr auffällig scheinen die Veränderungen bei den jungen Vätern. Fast 80% der Männer, die Väter werden, bereiten sich heute mit auf die Geburt des Kindes vor, begleiten die Frauen bei Kursen oder sind sogar bei der Geburt anwesend. Damit signalisieren sie nicht bloß die biologische Vaterschaft, sondern weitere Beziehungswünsche an das Kind und Beteiligung an der Konstellation Mutter und Kleinkind.


Es gibt sogar Vorwürfe von Vätern an die Mütter, dass diese sie nicht in die Mutter-Kind-Symbiose mit einbeziehen, die Väter aber unverzichtbar für die Erziehung der Kinder seien. Mütter würden Väter zwar immer mit der Übernahme weiterer Pflichten bedrängen, aber die innigen Gefühle, das Einzigartige und das Bestätigende der Kleinkindversorgung wollen sie nicht teilen.
METZ-GÖCKEL & MÜLLER kritisieren aber, dass Väter Eingang in die Mutter-Kind-Beziehung fordern, aber nicht den Gesamtkontext von Erziehung in der arbeitsteilig-hierarchischen Gesellschaft realistisch wahrnehmen.


Um zu untersuchen, inwiefern Männer die Forderungen der Frauenbewegungen wahrnehmen und darauf eingehen, befragten sie eine Gruppe von Männern und verglichen die Ergebnisse mit einer Studie von vor zehn Jahren. Sie stellen aber nur Veränderungen dar, die sich massenhaft abzeichnen, denn eine Gruppe, wie die der "neuen Männer" sind nicht zu erfassen. Die Ergebnisse waren folgende:
Nur noch eine Minderheit (zwischen zehn und dreißig Prozent) der Männer zwischen 20 und 50 Jahren findet, dass eine Frau nicht berufstätig sein sollte, um mehr Zeit für den Partner zu haben. Mann geht nicht mehr davon aus, dass beruflich erfolgreiche Frauen ihren Erfolg spezifisch weiblichen Strategien und nicht ihren besonderen Leistungen zu verdanken haben. Mann hält auch nicht mehr Frauen für viele Berufe ungeeignet. Es ist auch nicht mehr üblich, es peinlich zu finden , wenn ein Mann weint . Außerdem hält Mann es nicht mehr für zwingend nötig, dass Männer ihre Gefühle verbergen.


Im Gegensatz zu der vorangehenden Studie von vor zehn Jahren, hat die Mehrheit der Männer offensichtlich dazugelernt. "Von einer natürlichen Überlegenheit gegenüber der Frau und einer größeren logischen Befähigung des männlichen Geschlechts spricht kaum noch jemand." (Dies. 1987: 158).


Die Frage ist nun, inwiefern man diesen Veränderungen bei den Männern skeptisch gegenüber treten muss, wenn man beachtet, dass diese Veränderungen keine Frage des Wollens sind, sondern sich nur dann ergeben, soweit sich Männer dazu mehr oder weniger gezwungen sehen. Die Bedingung für ein neues Männerselbstverständnis ist die Verselbstständigung und Individualisierung der Frau.
Festgehalten werden kann aber, dass sich Männer immer mehr entgegen den alten Rollenklischees verhalten und sich verändern. Wenn Männer sich wirklich auch verändern, männliche Denkstrukturen verändern lernen, dann würde das für Männerfreundschaften bedeuten, dass sie intimer werden könnten. Wenn Männer lernen offener über intime Probleme zu reden, sich zu öffnen, dann könnten sich die Barrieren der Männerfreundschaft verringern.


Die Lebensstile von Männern und Frauen unterscheiden sich kaum noch. Frauen unternehmen immer mehr "männliche" Dinge, wie z. B. das Vordringen in typisch männliche Berufe oder sportliche Aktivitäten. Es besteht auch bei den Männern eine Tendenz sich weiblicher zu verhalten. Sie achten mehr auf ihr Äußeres und stehen oft in dieser Hinsicht den Frauen schon in nichts mehr nach. Wenn Männer und Frauen sich immer mehr ähneln, bzw. die Geschlechterrollen sich annähern, dann könnte es sein, dass die Freundschaften zwischen Männern auch intimer werden, wenn Männer ihre "raue Schale" ablegen können.


Ein Hinweis auf diese Entwicklung ist die gegengeschlechtliche Freundschaft. Männer und Frauen können auch Freundschaften führen, wo sie doch zunehmend über Themen reden können, die beide Geschlechter interessieren. Dabei können sich Männer sehr gut vor Frauen öffnen. Es fällt ihnen leichter als sich vor männlichen Freunden zu öffnen, weil bei Frauen der Konkurrenzaspekt wegfällt. Bei männlichen Freunden könnten Männer immer verletzlich werden, sobald sie sich zu sehr öffnen.


Das interessante dabei ist, dass Männer sich in einer Freundschaft zu Frauen mehr öffnen und diese befriedigender empfinden als eine Freundschaft zu Männern. Umgekehrt ist es aber nicht so. Frauen finden auch Freundschaften zu Frauen befriedigender. Offensichtlich haben Frauen eine bessere Fähigkeit, einem Freund positive Gefühle zu vermitteln, als Männer das können.


Es gibt seit den 70iger Jahren Untersuchungen, die die Polarisierung der "männlichen" und "weiblichen" Geschlechterstereotype relativieren, indem sie die zunehmende Ähnlichkeit dieser darstellen.
SPENCE entwickelte 1975 auf der Grundlage von umfangreichen Untersuchungen einen Fragebogen zur Messung von geschlechtsspezifischen Merkmalen, der aus einer F- und einer M-Skala besteht. Die F-Skala enthält sozial erwünschte Eigenschaften, die in unseren Kulturkreisen als typisch "weiblich" gelten. Die M-Skala enthält die typisch "männlichen" Eigenschaften.
Die von SPENCE durchgeführten Untersuchungen belegen, dass Frauen sich im Durchschnitt expressiver und Männer sich im Durchschnitt instrumentaler beschreiben. Interessant ist aber, dass es zwischen den Geschlechtern einen großen Überlappungsbereich gibt, wo einige Frauen sich als instrumenteller als manche Männer, und einige Männer sich als expressiver als manche Frauen beurteilen. Damit ist das traditionelle Muster der komplementären Eigenschaften von "Männlichkeit" und "Weiblichkeit" in Frage gestellt. (vgl. KASTEN 2003: 31 f.)
Es gibt nach SPENCE Männer, die sich auch expressiv verhalten, genauso wie es Frauen gibt, die sich auch instrumentell verhalten. Demzufolge entspricht dieses konstruierte Modell der Männer- und Frauenfreundschaften der heutigen Gesellschaft, indem Männer hart und wettbewerbsorientiert und als nicht fähig zu "enger" Freundschaft dargestellt werden, eher den traditionellen Rollenvorstellungen der "Männlichkeit".


Das von LIPSITZ-BEM 1976 entwickelte Konzept der Androgynie bestätigt diese Annäherung von "Männlichkeit" und "Weiblichkeit".
Androgynie wird von LIPSITZ-BEM definiert als das Vorhandensein von expressiven und instrumentellen Eigenschaften bei einem Menschen im überdurchschnittlichen Ausmaß. Als undifferenziert bezeichnete sie dagegen Menschen, bei denen ein unterdurchschnittliches Ausmaß an expressiven und instrumentellen Eigenschaften vorkommt.
Undifferenziertheit und Androgynie lassen sich dann mit dem Expressivität - Instrumentalität - Modell kombinieren und so entstehen vier Persönlichkeitstypen, die unabhängig von ihrem biologischen Geschlecht in unserem Kulturkreis angetroffen werden können:

1. Maskuline Typen (überwiegender Anteil maskuline Eigenschaften)
2. Androgyne Typen (mit überdurchschnittlich hohem Anteil maskuliner und femininer         Eigenschaften)
3. Undifferenzierte Typen (mit unterdurchschnittlich niedrigem Anteil maskuliner und     femininer Eigenschaften)

4. Feminine Typen (überwiegender Anteil feminine Eigenschaften) (KASTEN 2003:32)

Aus der Zugehörigkeit einer Person zu einem bestimmten Persönlichkeitstyp kann man Aussagen zu ihrem sozialen Geschlechtsrollenverhalten machen. Das Ergebnis des Androgyniekonzeptes war, dass es Menschen gibt, die Selbst-Konzepte haben, die die kulturellen Definitionen von "männlich" und "weiblich" in sich aufgenommen haben und Menschen, die das nicht in ihre Selbst-Konzepte verwoben haben. Daraus kann man schlussfolgern, dass ein Teil der Menschen sich geschlechtstypisch verhalten und der andere Teil sich nicht nach den kulturellen Normen und Erwartungen verhält, also nicht gemäß seiner Geschlechterrolle.

Abschließend kann vermerkt werden, dass man an Männer- und Frauenfreundschaften in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten die Geschlechterrollen der Gesellschaft erkennen kann. Geschlechterrollen sind Konstruktionen der Gesellschaft, genau wie Modelle von Männer- und Frauenfreundschaften. Das Modell von Männer- und Frauenfreundschaften ist an die jeweilige Gesellschaftsordnung mit den darin vorkommenden Geschlechterrollen verbunden. In Männer- und Frauenfreundschaften werden Geschlechterstereotype wirksam und beeinflussen die Qualität der Freundschaft.


Ein Wandel der Geschlechterrollen und Geschlechterstereotype ruft auch einen Wandel des Modells von Männer- und Frauenfreundschaften hervor.
Von einer Abwertung der Frauenfreundschaften aufgrund der androzentrischen Denkstrukturen vergangener Epochen veränderte sich dieses Denken hin zu einer Zeit, in der Frauen gegen ihre Abwertung kämpften und der soziale Wandel seinen Beitrag für das Aufwerten der Frauen und ihren Freundschaften geleistet hat. Diese Epoche ist eher geprägt durch das Abwerten der Männerfreundschaften. Für die Zukunft wäre vielleicht ein Freundschaftsmodell vorstellbar und wünschenswert, in der Ab- oder Aufwertung von Freundschaften keine Rolle mehr spielt, weil zwischen dem Status der Geschlechter ein Gleichgewicht entstanden ist.