Fachbereich: Soziologie
Diplomarbeit: Freundschaft im Wandel der Geschlechterrollen


7.2 Asymmetrie

ARGYLE & HENDERSON (1986: 101) haben in einer Untersuchung über Einsamkeit bei beiden Geschlechtern ein interessantes Ergebnis erhalten: Für männliche und weibliche Befragte war das beste Vorhersagekriterium für das Ausbleiben von Einsamkeitsgefühlen die Interaktionshäufigkeit mit Frauen. Die mit Männern verbrachte Zeit hatte keinen Einfluss auf Empfindung von Einsamkeitsgefühlen.


Das ist ein eindeutiger Hinweis darauf, dass einerseits gegengeschlechtliche Freundschaften sehr wichtig und auch möglich sind, und dass auch Männer anscheinend offener über persönliche Dinge reden wollen, wie sie es ja mit Frauen tun können, aber mit Männern nicht immer, wegen Aspekten wie Konkurrenz und anderer Barrieren. Andererseits kann es bedeuten, dass Frauen in ihren Freundschaften bessere Fähigkeiten haben müssen ihre Freunde zu befriedigen, denn Frauen geben Frauen als befriedigender an und Männer ebenfalls. Das heißt Frauen bringen, unabhängig, ob mit Mann oder Frau, Bedeutsamkeit und emotionale Nähe in ihre sozialen Beziehungen ein.






Viele Männer sagen, dass ihre Freundschaften zu Männern nicht so eng sind, wie die zu Frauen (vgl. u.a. SEIDLER 1992; O´CONNOR 1992; WINSTEAD, DERLEGA & ROSE 1997). Sie trauen Frauen mehr, als Männern. SEIDLER (1992) erklärt sich das damit, dass bei Freundschaften zu Frauen der Konkurrenzaspekt eine kleinere Rolle spielt, die ja in Männerfreundschaften sehr bedeutend ist.


O´CONNOR (1992: 30) sagt, dass Männer genau wie Frauen zu Intimität fähig sind, dass Männer aber bevorzugen seltener intim zu interagieren als Frauen. Und, dass sie es bevorzugen, sich vor Frauen zu öffnen. Die Asymmetrie der gegengeschlechtlichen Freundschaft bezeichnen auch WINSTEAD, DERLEGA & ROSE (1997). Sie haben festgestellt, dass Männer intimer mit ihren Freundinnen sind als mit ihren Freunden. Sie vertrauen den Freundinnen mehr an, verbringen mehr Zeit mit ihnen und konsultieren eher die Freundin als den Freund bei schweren persönlichen Entscheidungen (vgl. FEHR 1996; RAWLINS 1992).


Frauen wiederum sagen das Gegenteil. Sie bringen ihren Freundinnen mehr Intimität entgegen als den männlichen Freunden. Männer bekommen mehr Akzeptanz und Intimität in ihren gegengeschlechtlichen und Frauen in ihren gleichgeschlechtlichen Freundschaften. Das würde eine Benachteiligung für Frauen in der Befriedigung ihrer persönlichen Bedürfnisse in Freundschaften mit Männern bedeuten.


REID & FINE (1992) betonen auch, dass Männer mehr intime und persönliche Informationen bei ihren weiblichen Freunden enthüllen, als bei ihren männlichen. Sie gewinnen sogar therapeutischen Nutzen von ihren Frauenfreunden. Für Frauen liegt wiederum dieser Nutzen in ihren Freundschaften mit Frauen. Männer haben die Vorzüge der weiblichen Eigenschaften erkannt und wissen sie jetzt für sich und ihr Wohlbefinden zu nutzen. Ein schönes Zitat von BELL kann die veränderte Situation veranschaulichen.:
"The male may be saying, ` I`m ready for your friendship `and the women may be saying `I no longer have the time or the need for it `! Sometimes in the past female friendships were available but men didn `t want them. Today men often want them, but the women are not always available." (Ders. 1985: 113).


HUBER sagt, dass Männer traditionell eine andere Sprache sprechen, auch wenn sie noch so zart fühlend sind. Männer fühlen sich von Frauen verstanden, aber Frauen nicht so von Männern. "So entsteht eine Teilung im Leben von Frauen, dass sie mit anderen Frauen einen emotionalen Diskurs führen und mit Männern einen viel eher sachorientierten und ergebnisorientierten Diskurs." (Dies. 1994: 26).


Nach BELLS (1985:109) Ansicht ist es so, dass viele Männer heutzutage Freundschaften zu Frauen suchen, weil sie darin mehr Befriedigung ihrer emotionalen Ansprüche finden, als in ihren Männerfreundschaften.


SWAIN (1992: 155) sieht die Schwierigkeit für gegengeschlechtliche Freundschaften in den unterschiedlichen sozialen Erfahrungen der Geschlechter, aus denen geschlechterspezifische Stile resultieren mit Intimität umzugehen und sie auszuleben. Stile der Intimität von Frauen sind Offenheit und große emotionale Unterstützung. Intimität geht bei ihnen normalerweise solange, bis eine unausgewogene Balance des gegenseitigen Gebens und Nehmens entsteht. Dann hört Intimität bei Frauen auf. Männer haben eine andere Vorstellung von Intimität als Frauen. Sie stellen z. B. nicht so viele persönliche Fragen, weil sie es gewohnt sind, von selber Probleme anzusprechen, wenn überhaupt. Mit diesen Unterschieden müssen gegengeschlechtliche Freundschaften kämpfen.


WINSTEAD, DERLEGA & ROSE (1997) sagen, dass die Geschlechterrollen sich insofern gewandelt haben, dass sie sich entgegenkommen. Frauen nutzen in Interaktionen mit Männern mehr den maskulinen style und Männer in Interaktionen mit Frauen den femininen style. (Dies. 1997: 127; SWAIN 1992: 174). " Already men are seeking closer this ties in their friendships and woman are engaging in more group activities such as sports with friends." (WINSTEAD, DERLEGA & ROSE 1997: 129).


Dass sich die Geschlechterrollen gewandelt haben zeigt allein schon der Aspekt, dass Männer und Frauen darüber nachdenken freundschaftliche Verhältnisse einzugehen, das andere Geschlecht zu persönlichem Austausch zu nutzen und von ihm eine Bereicherung zu erfahren, wie das in Freundschaften normalerweise ist. Sie möchten diese Bereicherung einer Beziehung zum anderen Geschlecht, ohne sexuelle Aspekte, einfach nur um des Menschen willen.
" Friends negotiate the boundary between a platonic relationship versus a sexual relationship through discussion making, and shared meanings: strategies that are internal to the friendship dyad." (REID & FINE 1992: 144).
Das allein zeigt schon, dass Männer und Frauen miteinander reden und sie ein Bedürfnis haben, die traditionelle Beziehung zwischen Männern und Frauen auszubauen und zu verändern.


HAYS (1988) bemerkt den einzigartigen Wert der gegengeschlechtlichen Freundschaft, der ein größeres Verständnis zwischen den Geschlechtern bedeuten und für größere Gleichheit sorgen kann!!!