Fachbereich: Soziologie
Diplomarbeit: Freundschaft im Wandel der Geschlechterrollen


5.3 Vergleich von Männer- und Frauenfreundschaften


Schon wegen den Beschreibungen, die man in der heutigen Literatur über Männer- und Frauenfreundschaften findet, kann sich das Ideal der einzig wahren Männerfreundschaft und der These der Unfähigkeit der Frauen zu Freundschaften nicht bewahrheiten. Dort wird ein Bild von Männern und Frauen dargestellt, dass ganz andere Ergebnisse bringt. Wissenschaftliche Betrachtungen zu Freundschaften handeln über Männerfreundschaften, Frauenfreundschaften und dem Vergleich zwischen Männer- und Frauenfreundschaften.

In expliziten Vergleichen von Männer- und Frauenfreundschaften in der Literatur kommt es noch deutlicher zum Ausdruck, dass Männerfreundschaften das Ideal ihrer Freundschaft anscheinend an die Frauenfreundschaften abgegeben haben. Die Ergebnisse sind in der deutschen, englischen und amerikanischen Literatur ähnlich.


BELL betont die größere Offenheit der Frauen in ihren Freundschaften. Sie seien treuer als Männer ihren Freunden. Männer würden lieber Dinge zusammen machen .

"The close relationship among women are generally defined as self-revealing and accepting whereas the close relationships between men are subjectively defined in terms of doing things together." (Ders. 1981: 61).


Frauen werden als offener und intimer als Männer dargestellt, während Männer in ihren Freundschaftsbeziehungen weniger aus sich heraus gehen und deshalb weniger enge Freundschaften als Frauen haben (vgl. ARGYLE & HENDERSON 1986; AUHAGEN 1993; REID & FINE 1992). Frauen würden über ein besseres Netz an Freundschaften verfügen, auf das sie zurückgreifen können.


AUHAGEN (1991: 9) bemerkt jedoch auch, dass die Geschlechtsunterschiede in den Freundschaften mit zunehmendem Alter immer weniger ausgeprägt sind, weil Männer möglicherweise anfangs ihr Rollenverhalten nicht aufgeben können zugunsten größerer Individualität und Intimität.


Der Stern (4/2001) äußert eine sehr pessimistische Meinung, die besagt dass ein Grossteil der Männer gar nicht das Glück einer lebenslangen wirklich engen Freundschaft erleben dürfen. Kaum eine Jugendfreundschaft der Männer überstehe Ausbildung und Studium. Im Gegensatz zu Frauen falle es den Männern schwerer, je älter sie werden, neue Freunde zu finden. Die Einzige vertraute Person, die den Männern im Alter oft übrig bleibe sei ihre Frau.


Frauen konzentrieren sich in ihren Freundschaften mehr aufeinander, reden häufiger und intensiver miteinander, über persönlichere Angelegenheiten als Männer, laut AUHAGEN (1993: 96). Die gegenseitige Hilfe und emotionale Unterstützung habe bei Frauen einen höheren Stellenwert als bei Männern, was sich in den intimeren Interaktionen ausdrückt.


Nur WINSTEAD, DERLEGA & ROSE haben herausgefunden, dass Männer und Frauen ihre Freundschaften zum gleichen Geschlecht ähnlich beschreiben durch Aspekte wie: Konversation, gemeinsame Interessen, Wissen über den/die andere/n, Anerkennung und Ausdrücken der Anerkennung, glücklich sein, reden, gemeinsame Aktivitäten. Sie sagen, dass Frauen zwar mehr Selbst-Offenbarung leisten und besser zuhören würden als Männer, aber dass Männer- und Frauenfreundschaften eher ähnlicher sind als immer behauptet wird. "...research indicates that womens and men`s best and close same-sex friendships probably are more similar than they are different." (Dies. 1997: 123).


Schauspieler Walter SITTLER aus der ZDF-Serie "Girlfriends" wird in einem Interview zu den Unterschieden zwischen Männer- und Frauenfreundschaften befragt. Er antwortet:
" Das läuft tatsächlich anders ab. Frauen reden direkter über persönliches. Bei Männern geht das auch, aber es dauert länger bis es soweit ist." 26


Bezüglich des Vergleiches von Männer- und Frauenfreundschaften in der Literatur bestätigt sich das Ergebnis, das bei der Beschreibung der Männer- und Frauenfreundschaften schon zu erkennen war. Frauenfreundschaften gelten laut der Literatur als intimer und enger als Männerfreundschaften. Frauen unterstützen sich gegenseitig mehr und öffnen sich schneller vor der Freundin als das zwischen Männern der Fall ist.


Früher wurden Frauen generell als unfähig zu Freundschaften eingeschätzt und in der heutigen Literatur, bzw. der letzten Jahrzehnte, hat sich das Bild gewandelt und Frauen werden in ihren Freundschaften viel positiver dargestellt als die Freundschaften zwischen Männern. Im Gesamteindruck erhält der Leser ein negatives Bild von Männerfreundschaften.

Abschließend kann man vermerken, dass durch den Wandel der Geschlechterrollen dieses, in Kapitel 5 beschriebene, neue Modell von Männer- und Frauenfreundschaften entstanden ist, das nicht durch die Abwertung der Frau geprägt ist. Der Wandel der Geschlechterrollen hat das Bild der Männer- und Frauenfreundschaften geändert.





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26 Vgl. Maxelon, Claudia : Was Sie schon immer über Frauenfreundschaften wissen wollten.     Interview mit Walter Sittler,
    http://www.liljan98.de/mmws/walter/artikel/zdf_0104.html, Stand: 2004