Fachbereich: Soziologie
Diplomarbeit: Freundschaft im Wandel der Geschlechterrollen


5.2 Frauenfreundschaften


Wie ist es nun aber mit den Frauenfreundschaften und der eingangs erwähnten These der Unfähigkeit der Frauen für Freundschaften, wie es in vielen wissenschaftlichen Veröffentlichungen über Freundschaften immer wieder zur Sprache kam.


VAHSEN schreibt auf der Internetseite des "Feministischen Blattes", dass Frauenpaare so alt sind wie die Welt und sich bereits in der Antike nachweisen lassen, und dass Frauenfreundschaften als soziale Form des Umgangs miteinander in ihrer historischen Gesamtheit und Bedeutung noch zu entdecken sind. 19 Über Frauenfreundschaften gibt es genau wie über Männerfreundschaften, wenig populärwissenschaftliche Literatur (vgl. u.a. EICHENBAUM & ORBACH 1991; DRACKER & WERNER 2004).


Wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit dem Thema "Frauenfreundschaften" existieren dagegen einige. Meist wurde sich mit Männer- und Frauenfreundschaften im Vergleich beschäftigt, weshalb hier auch u.a. die gleichen Autoren zu nennen sind, wie bei Männerfreundschaften (vgl. u.a. WRIGHT 1982; DUCK 1983; ARGYLE & HENDERSON 1986; AUHAGEN 1991; O´CONNOR 1992; HUBER 1994; WINSTEAD, DERLEGA & ROSE 1997). HUBER und O´CONNOR handeln in erster Linie über Frauenfreundschaften.


Im folgenden soll das Freundschaftsbild von Frauen in der Literatur dargestellt werden.



5.2.1 Eine Gefährtin fürs Leben

DRACKER & WERNER (2004) haben ein populärwissenschaftliches Buch über die einzig wahren Freundinnen geschrieben. Interessant ist, dass auch bei diesem Buch, genau wie bei MILLERS Männerfreundschaft (1986) nicht von der einzig "wahren" Männerfreundschaft ausgegangen wird.

Für DRACKER & WERNER bedeutet Frauenfreundschaft etwas existentielles. "Hätten die Frauen ihre Freundinnen nicht, wären sie ganz schön aufgeschmissen." (Dies. 2004: Umschlag).

In ihrem Buch gehen sie auf die Suche danach, was Frauenfreundschaften ausmacht, wie sie entstehen und wieder entzwei gehen. Das Ergebnis ist ein Hinweis darauf, wie sehr Frauen doch zu Freundschaft fähig sein müssen, dass Frauenfreundschaft meistens ein grundlegender Bestandteil in jedem Leben einer Frau ist. Frauenfreundschaften werden durchleuchtet von der Kindheit bis ins Alter. Facetten der Frauenfreundschaften werden dargestellt und Beispiele warum Frauenfreundschaften so existentiell sind. Dieses Buch bietet einen informativen und witzig geschriebenen Überblick über die Bedeutung der Frauenfreundschaften. Frauen sind sich demnach auch sehr über die Qualitäten einer Freundin bewusst.


DRACKER & WERNER (2004: 181) befragten bei der Recherche Frauen zu den Wunscheigenschaften einer Freundin. Die Liste dieser Eigenschaften ist sehr lang:


Die Wunschfreundin der Befragten wäre demnach interessant und charismatisch und jemand, mit dem man Aufsehen erregen könnte. Sie sollte ihren eigenen Kopf haben, aber trotzdem die Gedanken und Gefühle teilen können. Sie sollte zuhören können, aber auch gleichzeitig Ratschläge zu Problemen geben können. Außerdem sollte sie sich selbst mögen, aber auch zielstrebig, spontan und aufgeschlossen sein. Ähnliche Interessen, Humor und Selbstironie wurden von den Befragten noch als Wunsch geäußert. Eine Freundin sollte außerdem nicht nachtragend oder vorwerfend sein, wenn die Freundin wegen dem Job oder dem Mann weniger mit ihr unternehmen kann. Sie sollte nicht perfekt sein und immer alles richtig machen, sondern kann auch viele Ecken und Kanten haben. Herz und Gefühl sollte sie haben, was als wichtiger beschrieben wird, als eine perfekte Figur. Transparenz, Offenheit, Unterstützung, aber auch Gemeinsamkeiten werden von einer Freundin erwartet (Dies. 2004: 182).


Daraus geht hervor, dass Frauen hohe Ansprüche an eine Freundin haben und demzufolge auch auf gute Freundschaft großen Wert legen. Insgesamt werden Frauenfreundschaften, die sich durch das ganze Leben ziehen können, bei DRACKER & WERNER (2004) als etwas durchweg positives empfunden und dargestellt.



5.2.2 "Frauengespräche"

Das auffälligste Charakteristikum von Frauenfreundschaften ist die Kommunikation zwischen Frauen.


WRIGHT (1982: 8) hat Frauenfreundschaften passender Weise als "face to face" charakterisiert. Das heißt, dass Frauen auf ihre Gesprächspartnerin orientiert wären, und sich miteinander aufeinander konzentrieren würden.


Dass Frauen gerne miteinander reden belegt eine Studie von AUHAGEN (1991: 62), die die Methode des Doppeltagebuches angewendet hat, um Aussagen über Freundschaft im Alltag machen zu können. Die Ergebnisse besagen, dass Frauen eine sehr hohe Kontakthäufigkeit über Telefon hätten.


HUBER bestätigt dieses Charakteristikum. "Das Wichtigste, was Frauen in ihren Freundschaften zusammen tun (und sie verbringen die meiste Zeit damit), ist miteinander zu sprechen." (Dies. 1994: 9). Der zentrale Faktor in den Gesprächen ist die gegenseitige Bestätigung, wie HUBER (1994) bemerkt. Frauen wollen verstanden werden. Eine Freundin wird von HUBER (1994: 10) so beschrieben, dass man zu ihr gehen könne und alles sagen, was einem in den Sinn käme. Dort könne man alles raussprudeln, ohne zu sortieren und zu zensieren. Eine Freundin ist sozusagen ein "seelischer Mülleimer", was hier im positiven Sinn gemeint sein soll.

Frauen reden offen über individuelle und private Probleme. Gerne reden sie auch über Beziehungsprobleme. Wenn eine Frau Probleme mit ihrem Mann oder Freund hat, spricht sie laut HUBER (1994) als erstes mit ihrer Freundin darüber, bevor sie zu ihrem Partner geht.


Die Familien-Expertin EDER verrät auf einer Internetseite für Frauen, wie sie ihre Freundin sieht. Sie hat immer ein offenes Ohr für ihre Nöte, und weiß auch immer Rat. Den kleidet sie jedoch so geschickt in eine Frage, dass sich die Freundin nicht bedrängt fühlen muss und dennoch immer den Kern trifft. Das kann ihr insofern helfen, dass sie sich nicht mehr mit dem Problem allein fühlen muss und es mal aus einer anderen Perspektive sieht. Außerdem verbringen sie aber auch gemeinsam äußerst fröhliche Zeiten miteinander. Sie machen Wies` n - Bummel mit den Töchtern, gehen ins Kino oder zu Geburtstagsfeten oder gehen Essen,
"... und immer wieder verständnisvolle, aufbauende Zweigespräche über Gott und die Welt, bei denen immer viel gelacht wird."20


Das fundamentale an Frauenfreundschaften sind ihre Gespräche, in denen sie sich bei Problemen unterstützen und gegenseitig aufbauen. Frauen haben ein generelles Bedürfnis, Dinge die geschehen sind, Dinge die sie bewegen, mit ihrer Freundin zu bereden und zu analysieren. Oft sieht die Welt hinterher gar nicht mehr so schlimm aus. Aber Frauen reden nicht nur, sie unternehmen auch gern etwas gemeinsam.



5.2.3 Intimität und Vertrauen in der Frauenfreundschaft

Intimität in Frauenfreundschaften wird übereinstimmend in der Literatur durch gegenseitige emotionale Unterstützung und Selbst-Öffnung definiert (vgl. u.a. BELL 1981; ARGYLE & HENDERSON 1986; EICHENBAUM & ORBACH 1991; O´ CONNOR 1992).


BELL (1981: 60) bemerkt, dass Frauen wenig spezielle, segmentierte Freundinnen hätten, z.B. eine, mit der sie nur Tennis spielen oder eine, mit der sie nur auf Shoppingtour gehen. Frauenfreundschaften würden laut BELL immer die ganze Person der Freundin und nicht nur bestimmte Rollen, die die Person für sie einnimmt, betreffen. Deshalb haben Frauen auch meist mehrere enge Freundinnen mit der gleichen Intimität.


ARGYLE & HENDERSON (1986: 85) sehen die Geschlechterrolle der Frauen darin, dass sie in Freundschaften Vertrauen und emotionalen Rückhalt gewähren.


Die extreme Bindungsfähigkeit von Frauen, die sich auch in ihren Freundschaften niederschlägt, betonen EICHENBAUM & ORBACH (1991: 56). Sie erwähnen ein Beispiel, bei dem zwei Freundinnen in einem Restaurant sitzen und die eine der anderen erzählt, dass sie das letzte halbe Jahr verzweifelt versucht hat schwanger zu werden. Beim Verlassen des Restaurants betritt eine Frau mit zwei kleinen Kindern den Raum. Die Freundin spürt in dem Augenblick, welchen Schmerz der Anblick der Mutter mit ihren Kindern ihrer Freundin bereitet haben musste. Sie berichtete sogar, dass sie den Schmerz selber spürte.


O`CONNOR beschreibt Intimität der Frauenfreundschaften folgendermaßen:
" Jemand dem man vertrauen kann ", " Jemand den ich um Hilfe anrufen kann " (Dies. 1992: 29).


Die durchgängige Geschlechterrolle von Frauen in ihren Frauenfreundschaften wird von AUHAGEN & SALISCH (1993: 222) als affektiv und sozial bezeichnet. " Diese Emotionalität, Wärme, Zärtlichkeit, Herzlichkeit, Zuneigung, dieses Verstandenwerden, diese Intimität und Tiefe, das bekommen Frauen ihr Leben lang im Wesentlichen von anderen Frauen." (HUBER 1994: 21).


Auf einer Internetseite kommt der Intimitätsaspekt von Frauenfreundschaften deutlich zum Ausdruck. "Sie erobern die Welt, die Männer und die tollsten Jobs - zumindest in ihren Träumen, die beste Freundinnen detailliert miteinander teilen. In stundenlangen Telefongesprächen, an gemütlichen Abenden auf dem Sofa, während ausgedehnter Kneipentouren. Sie wissen alles immer zuerst: wenn ein neuer Traummann auftaucht und wenn die Krise naht, kennen kleine und große Macken, Problemzonen und die momentane Psycho-Lage: Freundinnen sind da, wenn Frau sie braucht - ob zum Kinderhüten, als akute Krisenmanagerin oder Karriereberaterin." 21


AMSTUTZ zitiert auf einer Internetseite über Freundschaften die Psychologin Verena KAST, für die in einer Frauenfreundschaft die höchsten Werte einer menschlichen Beziehung zu finden sind: Achtsamkeit, Verfügbarkeit und Verlässlichkeit. Das Besondere an Frauenfreundschaften sind laut KAST, dass Frauen bei der Freundin Nähe und Wärme spüren können, schwach und stark sein und sich aufeinander verlassen können in guten und in schlechten Tagen. Sie müssen sich nicht verstellen oder eine Rolle spielen. 22


Die Familien-Expertin Ruth EDER rät jeder Frau zu einer engen Freundin auch neben dem Partner.:
" Immerhin sind Frauen-Freundschaften oft weit langlebiger als Liebesbeziehungen und sie bieten ein Riesen-Potenzial: Sie helfen uns bei der persönlichen Entwicklung, sind eine Stütze in jeder Situation und machen das Leben einfach schöner." 23
Frauen sind im Leben füreinander die wichtigsten emotionalen Bezugspersonen.


Aus diesen Zitaten und Ausführungen kommt das Bezeichnende in Frauenfreundschaften deutlich zum Ausdruck. Frauen haben sehr enge vertraute Freundinnen. Die Intimität im Sinne von Selbstöffnung, Vertrauen und seelische Unterstützung kommen immer wieder als Kennzeichen von Frauenfreundschaft vor. Die gegenseitige seelische Unterstützung ist zentral in Frauenfreundschaften. Intimität von Frauen bedeutet für sie, dass sie Probleme teilen und damit emotional verletzlich werden vor der anderen, weil sie sich vor ihr öffnen und damit gleichzeitig Angriffsfläche bieten. Die Selbstöffnung spielt in Frauenfreundschaften eine sehr große Rolle, weil sie die Freundschaft enger werden lässt und intimer.

5.2.4 Konflikte in Frauenfreundschaften

Frauenfreundschaften sind sehr intim, aber bergen auch großes Konfliktpotential. Deshalb findet dieses Thema bei vielen Autoren Erwähnung (vgl. u.a. WRIGHT 1982; EICHENBAUM & ORBACH 1991; HUBER 1994; DRACKER & WERNER 2004).


EICHENBAUM & ORBACH (1991) finden für Frauenfreundschaften bezeichnende Aspekte: Verschmelzung, Verlassenheit, Neid, Konkurrenz, Wut, ein stets offenes Ohr. Diese Aspekte zeigen u. a. auch negative Seiten der Frauenfreundschaften. Frauen sind anspruchsvoll was die Freundschaft angeht und haben Vorstellungen von einer idealen Freundin. Dementsprechend hohe Erwartungen hat Frau von einer Freundin. Deshalb kann eine Freundschaft genauso schnell in Enttäuschung ausarten, wie sie vorher befriedigend und erfüllend empfunden wurde.


Die Familienexpertin Ruth EDER berichtet auf einer Internetseite von der krankhaften Vermeidung von Konflikten bei Frauen-Freundinnen. Demnach sollten Wut, Enttäuschungen und Zorn ehrlich ausgetragen werden, was zu Lösungen und Versöhnung führen kann, denn Konfliktvermeidung stellt oft das größere Problem dar als der Konflikt selbst. 24


EICHENBAUM & ORBACH (1991) betonen den Konkurrenzaspekt in Frauenfreundschaften. Frauen werfen einen genauen Blick auf die Erfolge und Leistungen anderer Frauen. Sie stellen sich Fragen z.B. wie es die Freundin schafft immer so frisch und gepflegt auszusehen, aktiv und sportlich zu sein, oder erfolgreich im Beruf. Sie messen sich an der Freundin und haben dabei auch negative Gefühle, wie Konkurrenz, Wut, Neid und Verlassenheit .

"Gefühle, die anscheinend so hässlich und unakzeptabel sind, dass man darüber nicht reden kann." (Dies. 1991: 18) .


Diese negativen Gefühle können beträchtlichen Ausmaßes sein und intensiv empfunden werden. Sie können die Verbundenheit schwächen und zerstören, wenn sie nicht aufgearbeitet werden und die Offenheit und das Vertrauen, die zwischen Freundinnen bestehen können, bedrohen. Außerdem werden diese negativen Gefühle meist mit großer Intensität empfunden. Aber Frauen haben Schwierigkeiten mit Konfliktsituationen umzugehen. Sie können die Freundin oft nicht direkt mit dem Konflikt konfrontieren.


"Vielleicht ziehen wir uns zurück, indem wir nicht so häufig telefonieren. Aber wenn es zur Begegnung kommt, so haben wir in neun von zehn Fällen unseren Kummer heruntergeschluckt." (Dies. 1991: 28).


Die negativen Gefühle werden also verdrängt und so getan, als wenn nichts wäre. Aber im Unterbewusstsein sind sie noch da und das ist kein schönes Gefühl und kann das Wohlbefinden beeinflussen. Tritt ein Mann in das Leben zweier Freundinnen, wird die Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Eifersucht kann sich einstellen, weil die eine Freundin nun nicht mehr an erster Stelle steht. Oder Neid, weil man selber nicht dieses Glück der Liebe erleben darf. Aber Freundschaft bedeutet nicht nur, das Unglück der anderen zu teilen, sondern auch ihr Glück zu tolerieren, sagen DRACKER & WERNER (2004: 138). Frauen müssten hier lernen loszulassen. Sie könnten nicht nur vom Leid der Freundin fürs Leben lernen, sondern auch von ihrem Glück profitieren.


HUBER (1994: 23 f.) geht noch genauer auf einen solchen Konflikt ein, den Mädchen in ihren Freundschaften durchleben. Sie bezeichnet ihn als den ersten ernsten Konflikt, den Freundinnen haben, wenn die eine den ersten Freund hat. Hier wird jede Frauenfreundschaft auf die Probe gestellt. Es kann passieren, dass die engen Freundschaften nachlassen. Laut HUBER ist es tabuisiert diese Verletzung anzusprechen, denn die Beziehung zum gegengeschlechtlichen Partner gelte als wichtigste Beziehung in unserer Gesellschaft. So läuft es meist darauf hinaus, dass die eine Freundin den Ärger und die Enttäuschung runterschluckt, und die andere mit einem schlechten Gewissen leben muss. Die Familien-Expertin Ruth EDER bemerkt, dass man Eifersucht und Neid auch positiv sehen und nutzen könnte, indem man sie als Herausforderung sieht, sich an der Freundin zu messen und sich seiner Stärken und Schwächen immer wieder bewusst zu werden. Dabei kann die Freundin eine wertvolle Spiegelfunktion einnehmen. Frauen müssten sich dann ihre negativen Gefühle zu Nutze machen, aber sie auch ehrlich zugeben können.


Laut EICHENBAUM & ORBACH (1991: 75) haben Freundinnen eine große Angst vor dem Verlassenwerden in ihrer Freundschaft, weil Identität und Wohlgefühl sehr von der Bindung zur Freundin abhängt. Durch ihre starke Verschmelzung miteinander, die gemeinsam erlebten und durchlebten Dinge, Hoffnungen, Freuden und Schmerzen können eine Leere entstehen lassen, wenn eine Freundin verlassen wird durch eine Veränderung. Zu den schmerzlichsten Gefühlen aber, die Freundinnen in Freundschaften durchleben müssen, zählt laut EICHENBAUM & ORBACH (1991:92) Neid der anderen gegenüber. Dies kann wiederum zu Unbehagen und Scham führen. Neid ist ein Faktor, der die Freundschaft nicht fördert, sondern ihr entgegenwirkt, weh tut, misstrauisch macht und letztendlich Distanz schafft.


HUBER (1994: 27) beschäftigte sich ebenfalls mit Konflikten in Frauenfreundschaften, und argumentiert, dass Frauen es nicht sagen können, wenn sie sich verletzt fühlen. Frauen würden zwar viel miteinander reden, aber selten über die Beziehung zueinander. HUBER vertritt die These, dass Frauen nicht gelernt haben miteinander zu streiten, durch die Angst, die andere könnte sich zurückziehen. Differenzen zwischen Freundinnen können sehr negative Gefühle hervorrufen. Ein wichtiger Aspekt für das Entstehen von Konflikten zwischen Freundinnen, ist hierbei auch, dass Frauen sich in Freundschaften meist wie die andere und nicht mit ihr empfinden würden. Sie sind gegenseitige Identifikationspersonen und die Nähe wird meist durch so sein wie hergestellt. Wenn eine Frau anders ist, wird das nicht als etwas bereicherndes wahrgenommen, sondern wie etwas bedrohendes, was man selber nicht ist oder kann.


DRACKER & WERNER (2004: 138) stimmen dem zu indem sie sagen, dass Frauen zwar ähnlich wären, aber eben doch verschieden und dass es das ist, was Frauen akzeptieren müssten. Sie hätten zwar viele Gemeinsamkeiten, die sie zusammenschweißen, Dinge die sie teilen können. Zum Knackpunkt der Freundschaft können dann Wege werden, die die Freundin allein beschreitet, wo die andere nicht dran teilhaben kann. Wenn Pläne und Ziele auseinander klaffen gibt es Konflikte und ein Gefühl der Entfremdung kann entstehen.


DRACKER & WERNER schreiben über das Ende von Freundschaften zwischen Frauen, dass sie sich feige trennen. "Statt offenem Abschied: leises Davonschleichen. Statt deutlicher Worte: peinliches Schweigen." (Dies. 2004: 215). Die beste Freundin ist eine eigene feste Beziehung mit eigenen Gesetzen. Je länger die Beziehung dauert, desto beständiger kann sie werden. Gemeinsame Jahre sind von Vorteil, wenn Freundinnen vor dem Punkt stehen, aufeinander zuzugehen oder nicht. Oft denken Frauen nach einem Streit mit der besten Freundin, dass sie das alles gar nicht mehr wollen, aber je länger sich die Freundinnen kennen und je öfter diese kritischen Momente schon da waren, desto stärker ist dann die Einsicht, dass man doch aneinander festhalten will und den Schritt wagt, aufeinander zuzugehen.


In der Literatur wird der Eindruck vermittelt, dass Frauen durchaus zu Freundschaften fähig sind, ja sie sogar sehr enge und intime Freundschaften miteinander führen. Die traditionelle These der Unfähigkeit der Frauen zu Freundschaften hat sich nicht bestätigt. Bezeichnend ist, dass Frauen sehr viel miteinander reden und sich gegenseitig Vertrauen schenken und emotionalen Rückhalt gewähren, was eine große Intimität entstehen lassen kann. Der Umgang mit Konflikten fällt Frauen schwer und das Potential an Konflikten ist in Frauenfreundschaften groß. Fraglich ist jedoch auch hier, genau wie bei den Ausführungen zu Männerfreundschaften in der Literatur, inwiefern diese Darstellungen der Realität entsprechen oder den Erwartungen an die Frauenrolle.





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19 Vgl. Vahsen, Mechthilde: Frauenfreundschaften: Spurensuche quer durch die Jahrhunderte.     http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/frauenarchiv/ddorfautorinnen/vahsen/wiss.html,     Stand: 4/2000
20 Vgl. Eder, Ruth: Frauenfreundschaften. Wohl dem der eine Freundin hat.     http://www.womenweb.de/bodyhealth/sonstiges/artikel.4142.html, Stand: 19.07.2004
21 Vgl. http://www.prosoeben.de/talk/love/beste_freundin_01, Stand: 2003
22 Vgl. Amstutz, Gertrud: Die beste Freundin - der beste Freund.
    http://www.vitaswiss.ch/?a=archiv-03-01-1, Stand: 1/2003
23 Vgl. Eder, Ruth: Frauenfreundschaften. Wohl dem der eine Freundin hat.     http://www.womenweb.de/bodyhealth/sonstiges/artikel.4142.html, Stand: 19.07.2004
24 Vgl. Eder, Ruth: Frauenfreundschaften. Wohl dem der eine Freundin h at.     http://www.womenweb.de/bodyhealth/sonstiges/artikel.4142.html, Stand: 19.07.2004