Häufig wird die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung als ein Modell für die
Erklärung der Entstehung von unterschiedlichen Geschlechterrollen herangezogen
(vgl. u. a. ALLEMANN-TSCHOPP 1979; WOLLSCHLÄGER 1981; ECKES 1997).
Die Annahme dieser Theorie ist, dass stereotype Rollenvorstellungen über Frauen und Männer
auf die traditionelle Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern zurückgehen (vgl. ECKES 1997: 68).
ALLEMANN-TSCHOPP (1979: 36) erläutert wie Geschlechterrollen sich aus den männlichen und
weiblichen Verhaltensmustern in Bezug auf den Nachwuchs ergeben. Demnach ist eine wichtige Funktion von
geschlechtsspezifischem Verhalten die Sicherstellung der Pflege und Erziehung der Kinder. Dem liege die
Tatsache zu Grunde, dass das Wohl der Kinder in vielen Kulturen den Frauen obliegt und die
Existenzsicherung den Männern.
Die Arbeitsteilung nach Geschlechtern basiere auf dem anatomischen Geschlechtsunterschied des
reproduktiven Systems. Das bedeutet, dass Männer, bedingt durch den anatomischen Unterschied
Kinder zeugen, während Frauen tragen, gebären und stillen.
Für die Frau entstehen dadurch Einschränkungen für längere Zeit, und der Mann
eignet sich hingegen in dieser Zeit als Versorger. Die Frau wird aus der Berufs- und Arbeitssphäre
ausgegliedert. Durch die Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit ist so eine emotionale Bindung zu dem
Kind entstanden, die die Mutter außerdem weiter dazu prädestiniert das Kind zu betreuen,
nachdem die Notwendigkeit eigentlich nicht mehr gegeben ist. Hier bahnt sich nach ALLEMANN-TSCHOPP die
geschlechtsspezifische Arbeitsteilung an, wenn beide Geschlechter in der Reproduktionsphase das
naheliegende tun (Dies. 1979: 36).
Durch anatomische Unterschiede werden also unterschiedliche soziale Pflichten und Verantwortungen
gebildet. Das Vorhandensein von Kindern determiniert dann, nach ALLEMANN-TSCHOPP, die Ausprägung
von geschlechtstypischem Verhalten. Das heißt, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern
nach der Geburt von Kindern stärker ausgeprägt werden als wenn keine Kinder da sind.
Nach dieser Theorie ist die reale Situation von Mann und Frau während der Reproduktionsphase die
wichtigste bestimmende Größe für die Aufteilung der Geschlechter.
Die Prinzipien der Organisation des Berufslebens setzen Grenzen für die Beteiligung beider
Elternteile an der Erziehung der Kinder. Länger anhaltende, für die Geschlechter ungleiche
Lebensstrukturen beeinflussen die Entstehung und Entwicklung psychischer Eigenschaften, laut
ALLEMANN-TSCHOPP. Dabei wird unterstellt, dass sich durch die Aufteilung der Aufgabenbereiche
verschiedenen psychische Eigenschaften entwickeln. Demnach ist, wer Kinder betreut in Folge
einfühlsamer, nachgiebiger, opferbereiter, verzichtwilliger und abhängiger. Wer sich aber
im Berufsleben qualifizieren muss, ist in Folge initiativer, aktiver und dominanter. Eigenschaften,
die zum Kindererziehen nötig sind, wären im Berufsleben kontraproduktiv (Dies. 1979: 37).
Laut ECKES (1997: 68) liegen die markantesten Unterschiede in den jeweiligen Familien- und Berufsrollen.
Frauen bewegen sich überwiegend in der Familien- und Männer in der Berufsrolle.
Er geht davon aus, dass Menschen annehmen, Frauen und Männer hätten genau jene Merkmale,
die für die Ausübung ihrer Rolle förderlich sind. In Übereinstimmung mit
ALLEMANN-TSCHOPP ergibt sich Expressivität von Frauen aus den typischen Merkmalen der
Hausfrauenrolle bzw. der Berufsrollen, die Frauen ausüben. Instrumentalität bei
Männern ergibt sich dementsprechend aus den Merkmalen der Berufsrollen, die Männer
ausüben.
Geschlechterrollen sind also das, was ist und Geschlechterstereotype das, was sein soll.
ECKES nennt diese Behauptung "naturalistischer Fehlschluss" (Ders. 1997: 66). Mit anderen Worten,
es wird von der Familien- oder Berufsrolle auf die jeweiligen Merkmale dieser Rolle geschlossen.
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