Die Abwertung der Frauenfreundschaft beruht auf dem Geschlechterdualismus.
"Die Tatsache des Männlichen und Weiblichen. Mit ihr ist das Leben von seinem Grunde her in
zwei Parteien gespalten, die jedem Menschen von seinem Ursprung her in irgendeinem Maße und Art
einwohnen."(vgl. SIMMEL (orig. 1901-1908, 1992: 74). Er sieht in diesem Dualismus etwas
Geschlossenes, aus dem keine Veränderung mehr hervorgeht und der unverändert besteht,
so dass der Dualismus der Geschlechter in das Denken der Menschen projiziert wurde. Demnach gibt es
zwei verschiedene Geschlechter, die zwei verschiedene Wesensmenschen beinhalten.
Geschlechterstereotype und Geschlechterrollen sind der Ausdruck für diese Aufteilung.
Geschlechterrollen sind nach der Ansicht von SCHMALZHAF-LARSEN (2004: 40) stark an die Vorstellung der
hierarchisch organisierten Arbeitsteilung, die sich auf den Produktions- und Reproduktionsbereich
bezieht, verbunden.
ECKES (1997: 57) definiert Geschlechterrollen als kulturell geteilte Erwartungen bezüglich des
Verhaltens von Frauen und Männern. Es bestehen in der Gesellschaft Muster von Verhaltensweisen
der Frauen und Männer, die als angemessen oder unangemessen betrachtet werden.
Geschlechterrollen sind also Verhaltenserwartungen oder Verhaltensvorschriften für das jeweilige
Geschlecht, die beinhalten welche Verhaltensweisen in der Gesellschaft üblich oder anerkannt sind.
Geschlechterstereotype definiert ECKES als
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In der wissenschaftlichen Literatur der letzten Jahrzehnte gibt es übereinstimmende
Meinungen über die Geschlechterstereotype (vgl. u. a. ALLEMANN-TSCHOPP 1979;
FELDMANN-NEUBERT 1991; ECKES 1997; KASTEN 2003).
Geschlechterstereotype lassen sich in zwei Kategorien unterteilen: Merkmale, die häufiger mit
Frauen als mit Männern, und Merkmale, die häufiger mit Männern als mit Frauen in
Verbindung gebracht werden.
Die erste Kategorie beinhaltet das kulturelle Frauenstereotyp. Dieses umfasst u.a. Merkmale wie
abhängig, verständnisvoll, emotional, sanft, warmherzig, gesprächig,
anlehnungsbedürftig.
Die zweite Kategorie beinhaltet das kulturelle Männerstereotyp mit Merkmalen wie
unabhängig, dominant, selbstsicher, ehrgeizig, zielstrebig, rational, willensstark
(vgl. ECKES 1997: 57 f.).
KASTEN (2003: 30) beschreibt die Liste der typisch männlichen und typisch weiblichen
Eigenschaften als endlos. Demnach gelten Frauen u.a. als:
abhängig, ängstlich, attraktiv, aufreizend, behutsam, vorsichtig, charmant,
einfühlsam, emotional, familienorientiert, friedlich, gefühlsbetont, gehorsam,
geschwätzig, hilflos, kinderlieb, kleidungsbewusst, launisch, nachgiebig, nett, passiv,
rücksichtsvoll, sanft, schutzbedürftig, schwach, sensibel, sicherheitsbedürftig,
taktvoll, umgänglich, unentschlossen, unlogisch, unselbstständig, verständnisvoll,
weich, zart.
Männer dagegen gelten als:
Abenteuerlustig, aggressiv, aktiv, ausgeglichen, bestimmend, direkt, dominant, ehrgeizig,
entschieden, entschlusskräftig, entscheidungsstark, führungsbewusst, groß, hart,
kämpferisch, kontrolliert, kraftvoll, kräftig, kühn, verwegen, mutig, tapfer, nicht
leicht verletzbar, objektiv, sachlich, rational, realistisch, selbstbewusst, stark, überlegen,
unabhängig, unternehmungslustig, verantwortungsbewusst, weinen nicht, wettbewerbsorientiert und
zuverlässig.
Diese beiden Merkmalsbündel kann man in Anlehnung an PARSONS und BALES (1955) mit
Instrumentalität und Expressivität/Affektivität 8 bezeichnen.
Geschlechterrollen und die damit verbundenen Merkmale kennzeichnen die Unterscheidung der Geschlechter und ihre jeweiligen Rollen. Ihnen werden verschiedene Merkmale zugeordnet, die gegensätzlich sind. Das Geschlecht ist eine soziale Konstruktion. In patriarchalen Gesellschaften mit androzentrischen Denkstrukturen entsprach nicht der weiblichen Geschlechterrolle, dass sie fähig ist wahre, Freundschaften zu führen.
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8Im Soziologie - Lexikon wird Affektivität definiert durch Emotionalität,
also die Gefühlsorientiertheit einer Person im Handeln, in der Bewertung von Verhalten,
Gegenständen oder Sachverhalten. (vgl. ebd. S. 7) Instrumental wird dagegen als zweckdienlich
definiert. (vgl. ebd. S. 269)
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