Fachbereich: Soziologie
Diplomarbeit: Freundschaft im Wandel der Geschlechterrollen


1.4 Freundschaft im Hinblick auf Alter und soziale Schicht

In Anlehnung an ARGYLE & HENDERSON (1986: 87 ff.) sollen noch einige allgemeine Aussagen zu Freundschaft gemacht werden. Freundschaft gestaltet sich höchst unterschiedlich, je nach Alter und nach sozialer Schicht. Die Menschen mit den meisten Freunden sind jung, im Alter zwischen 18 - 29 Jahren, Angehörige der Mittelschicht, alleinlebend und extrovertiert.

Die Zahl der Freunde wechselt in Abhängigkeit der Lebensstruktur stark. Verheiratete haben weniger Freunde, solange Kinder im Haus sind. Im Erwachsenenalter lassen Freundschaften nach.






Geschiedene, Verwitwete, Getrenntlebende haben mehr "enge" Freunde. Junge Leute finden leicht neue "enge" Freunde. Ältere Menschen haben dagegen mehr Schwierigkeiten, neue "enge" Freunde zu finden, halten aber dafür Verbindung zu älteren Freundschaften.

Ähnlichkeit in Bezug auf Alter, soziale Schicht und ethnische Abstammung wird bei Freundschaften bevorzugt.
In Hinblick auf die soziale Schicht lassen sich deutliche Unterschiede in der Freundschaftsstruktur aufzeigen. ARGYLE & HENDERSON betonen, dass Mittelschichtangehörige in England mehr Freunde haben, die verschiedenartiger sind und in größerer Entfernung leben. In der Arbeiterschicht benutzen viele den Begriff "Freund" gar nicht. Viele sagen, sie hätten keine Freunde. Frauen treffen mal die Nachbarin und "schauen vorbei". Männer haben "Kumpel" und treffen sich meist in einer Gruppe.

Männer und Frauen haben unterschiedliche Freunde, die sie nicht mit nach Hause einladen. Sie haben Freunde in einer jeweiligen spezifischen Umgebung, jeweils beim Sport, beim gemeinsamen Trinken oder bei der Arbeit.

Der Unterschied zwischen Arbeiterschicht und Mittelschicht bestehe darin, dass Freundschaft bei der ersteren an eine bestimmte Umgebung gebunden ist und bei der Mittelschicht sich auf das Zuhause ausweite (vgl. ARGYLE & HENDERSON 1986: 106 f.).