Fachbereich: Soziologie
Diplomarbeit: Freundschaft im Wandel der Geschlechterrollen


1.3 Funktionen von Freundschaft

Um zu zeigen, welche Relevanz Freundschaft für ein Individuum hat, werden nun einige wichtige Funktionen von Freundschaften erläutert.

Laut einer Umfrage von ARGYLE & HENDERSON (1986: 109) nach Quellen von Befriedigung in sozialen Beziehungen, thematisieren sie drei Hauptfunktionen von Freundschaft.:
1.Hilfe - materielle Hilfe oder Unterstützung bei Alltagsproblemen.
2.Sozialer Rückhalt - gilt als wichtigster Grund für Freundschaft und beinhaltet den schlichten Erfahrungsaustausch auf einer alltäglichen Ebene, um eine gemeinsame geistige Welt aufzubauen, Erlebnisse in Worte zu fassen und mit denen anderer zu vergleichen.
3.Gemeinsame Interessen - für gemeinsame Unternehmungen in der Freizeit, Vergnügen, Ausgelassenheit, Heiterkeit.

ARGYLE & HENDERSON (1986: 84) fragten auch, was einen Freund ausmacht und bekamen als Antworten, dass man diese Person mag und die Gesellschaft genießt, dass man mit ihr Interessen und Aktivitäten teilen kann, sie hilfreich und verständnisvoll ist, man ihr Vertrauen schenken kann, sich wohl fühlt mit ihr und von ihr emotionale Unterstützung bekommt (vgl. DUCK 1983: 26). Als häufig aufgeführte und damit sehr wichtige Funktion von Freundschaft findet man in der Literatur, dass sie vor Einsamkeit und sozialer Isolation schützen kann. (vgl. VON WIESE 1956; DUCK 1983; ARGYLE & HENDERSON 1986; NÖTZOLDT-LINDEN 1994)

VON WIESE sieht den Hauptantrieb dafür, Freundschaften einzugehen überhaupt in der Angst davor allein zu sein. Wenn das Ich erkennt, "...dass Eindrücke, Ahnungen und Wünsche und vor allem Befürchtungen, die es in bestimmten Augenblicken durchdringen, von der menschlichen Umgebung nicht geteilt werden, dass es wahrhaft mutterseelenallein in einer daran unbeteiligten Welt steht." (Ders. 1956: 16).






So sieht VON WIESE in der Freundschaft eine Kraft, die die Einsamkeit schwächt und zugleich Raum für seelische Tiefe gewährt.

NÖTZOLDT-LINDEN beschreibt die Bandbreite der Bedeutsamkeit von Freundschaft für das Individuum mit den Aspekten pragmatisch, sozial, personal und emotional. Ein Freund "ist nicht nur ein unverbindlicher Begleiter, sondern sollte neben konkreter Unterstützung seelisch-moralischen Beistand leisten, vor Alleinsein schützen und sozialen Rückhalt bieten. Mit dem Freund sollte wechselseitiger persönlicher Austausch möglich sein und Zuneigung herrschen." (Dies. 1994: 24).

Freundschaft gilt als lebensnotwendig zur Aufrechterhaltung der physischen und psychischen Gesundheit (vgl. SCHINKEL 2003: 17; DUCK 1983). Laut KRACAUER (orig. 1917, 1971: 53) fördert Freundschaft, wenn sie auf gegenseitiger verständnisvoller Anregung beruht, die Ich-Erweiterung. Geist, Triebe und Sinne der Beteiligten werden angeregt und können mit dem Freund ausgetauscht werden. Wenn dieses Freundschaftsverhältnis im Gleichgewicht ist, wirkt es für beide gebend und nehmend.

Der Psychologe BRANDES schreibt im Stern (4/2001), dass wer sich nicht öffnen kann, anfälliger ist für psychische Krankheiten, zu viel Alkohol trinkt, oder zu viele Medikamente nimmt. Also kann man schlussfolgern, dass Freundschaften, in denen die Beteiligten offen und ehrlich über ihre Probleme und andere Angelegenheiten reden und somit keine Probleme haben, sich vor ihrem Freund zu enthüllen, weniger anfällig für psychische Krankheiten und Abhängigkeit sind.


Es kann vermerkt werden, dass Freundschaft für den Einzelnen sehr wichtige psychische, aber auch physische Funktionen hat. In erster Linie dient Freundschaft dem Wohlbefinden der Freunde und wirkt sich positiv aus. Sie ist lebenswichtig, stärkt, bietet Möglichkeiten der Identitätsfindung und Orientierung und kann letztendlich auch durch schwere Zeiten helfen.

Als wichtigste Funktionen werden die Bewahrung vor Einsamkeit, die emotionale Unterstützung und gemeinsame Erlebnisse genannt. Diese Funktionen finden sich aber nicht ausschließlich in der Freundschaft wieder. Auch Bekanntschaften können sie teilweise erfüllen.